Credit: Donata Wenders

Nach 44 Jahren Punkrock ist Schluss mit neuer Musik aus dem Studio

Die Toten Hosen sagen Tschüss: Letztes Studioalbum kommt im Mai

Am 29. Mai 2026 erscheint mit “Trink aus, wir müssen gehen!” das letzte reguläre Studioalbum der Toten Hosen. Das gab die Düsseldorfer Band heute über ihren Instagram-Kanal bekannt. Neun Jahre nach “Laune der Natur” schließt sich damit ein Kapitel, das 1982 mit einer Handvoll Schüler aus der Punkband ZK begann und die deutsche Musiklandschaft dauerhaft veränderte.

Ein Doppelpack zum Abschied

Wer die Hosen kennt, weiß: Die machen nichts halb. Zum Abschied aus dem Studio gibt es deshalb nicht ein Album, sondern gleich zwei. Neben dem Hauptwerk erscheint das Bonusalbum “Alles muss raus!”, auf dem die Band 25 Coverversionen gemeinsam mit befreundeten Musikerinnen und Musikern eingespielt hat. Die Auswahl der Songs und Gäste sei dabei bewusst persönlich gehalten: Es handele sich um Künstlerinnen und Künstler, die der Band über die Jahrzehnte besonders nahestanden.

Zur Entstehung des Albums erzählt Campino, dass die Entscheidung spontan im Proberaum fiel. Jemand habe die Idee hineingerufen, ein letztes Album aufzunehmen, und die Begeisterung sei sofort da gewesen. Musikalisch verspricht die Band die volle Bandbreite: von brachialem Punk bis zu leiseren Tönen.

Gursky, der Opel und ein Kreis, der sich schließt

Besonders interessant ist die Wahl des Coverartworks. Für das Motiv konnte die Band den Düsseldorfer Fotokünstler Andreas Gursky gewinnen, der mit den Hosen seit langem befreundet ist. Gursky hat auf Basis seines berühmten Werks “Rhein II”, das zeitweise als teuerstes Foto der Welt galt, ein neues Motiv geschaffen. Darauf zu sehen: Die Band an einem kaputten Opel Rekord. Das ist eine direkte Referenz auf das Debütalbum “Opel Gang” von 1983, auf dessen Cover ebenfalls ein solches Fahrzeug prangte. Die Verbindung zwischen dem Anfang und dem Ende der Studiokarriere wird damit visuell auf den Punkt gebracht.

Auch das neue Bandfoto stammt aus prominenter Hand: Donata Wenders, Ehefrau von Regisseur Wim Wenders, hat es aufgenommen. Sie fotografierte bereits 2002 das Cover von “Auswärtsspiel”.

Die Sache mit der “letzten” Tour

Parallel zum Album läuft die “Trink Aus! Wir Müssen Gehen”-Tour 2026, die durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Die Nachfrage war so enorm, dass ein Großteil der Termine innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war und die Band sieben Zusatzshows ansetzen musste. Weitere Termine wurden bereits für 2027 angekündigt, darunter Nürnberg, Mannheim, Leipzig, Graz und als großes Finale natürlich Düsseldorf.

Dazu kommen ein Auftritt beim Rebellion Festival im britischen Blackpool im August 2026 und drei Abschiedskonzerte in Argentinien im Oktober, wo die Band seit Jahrzehnten Kultstatus genießt. Die Stationen dort: Tandil, Rosario und Buenos Aires.

Die entscheidende Frage bleibt allerdings offen: Ist die Tour auch das endgültige Ende der Live-Karriere? Die Band hat sich dazu bisher nicht festgelegt. Das letzte Konzert der Tour ist für den 10. Juli 2027 in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena geplant. Campino wird dann 65 Jahre alt sein. Bereits 2022 sagte er in einem Interview zu seinem 60. Geburtstag, dass es mit den Toten Hosen nicht ewig weitergehen werde.

Sozialtickets: Ein Markenzeichen bleibt

Ein Detail, das bei all dem Abschiedsrummel nicht untergehen sollte: Die Toten Hosen bieten für sämtliche Tourtermine wieder ermäßigte Sozialtickets zum Preis von 19,90 Euro an (in der Schweiz 25 CHF). Die genauen Bedingungen stehen auf der offiziellen Website der Band. Es ist eines der Merkmale, das die Hosen über die Musik hinaus von vielen Bands unterscheidet: der konsequente Anspruch, dass Live-Musik für alle zugänglich sein soll.

Was bleibt

Die Toten Hosen haben über 18 Millionen Tonträger verkauft. Songs wie “Hier kommt Alex”, “Zehn kleine Jägermeister” oder “Tage wie diese” gehören zum festen Kanon der deutschen Populärkultur. Die Band hat sich politisch positioniert, gegen Rechts Stellung bezogen und ihrer Heimatstadt Düsseldorf sowie ihrem Verein Fortuna Düsseldorf durch alle Höhen und Tiefen die Treue gehalten.

Dass sie sich jetzt bewusst vom Studioformat verabschieden, statt langsam zu verblassen, passt zur Haltung dieser Band. Der Albumtitel “Trink aus, wir müssen gehen!” ist programmatisch: nicht schleichen, sondern den letzten Schluck nehmen und aufstehen. Ob danach tatsächlich Stille einkehrt oder die Hosen in anderer Form weitermachen, wird sich zeigen. Aber eines ist klar: Die Gerüchte, die seit der Tourankündigung im September kursierten, haben sich heute bestätigt. Das letzte Kapitel der Studiokarriere einer der wichtigsten deutschen Bands hat begonnen.

“Trink aus, wir müssen gehen!” erscheint am 29. Mai 2026 als limitierte Deluxe-Dreifach-Vinyl-Edition (auf 19.820 Exemplare limitiert und nummeriert), als Standard-Dreifach-Vinyl, als Doppel-CD und digital.

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