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Schock-Diagnose

Manowar-Gründer Ross “The Boss” Friedman hat ALS

Am 9. Februar 2026 erreichte die Metal-Gemeinde eine Nachricht, die wie ein Schlag ins Gesicht traf: Ross “The Boss” Friedman, Mitbegründer von Manowar und The Dictators, erhielt die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Die unheilbare Nervenkrankheit, auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt, zerstört nach und nach die Motoneuronen im Gehirn und Rückenmark und führt zu fortschreitendem Muskelschwund und Lähmungen.

Der lange Weg zur Diagnose

Die Diagnose kam nach monatelanger Ungewissheit. Friedman hatte über einen längeren Zeitraum hinweg verschiedene Symptome bemerkt, die zunächst in keinem Zusammenhang zu stehen schienen: Schwäche in Händen und Beinen, die sich nicht erklären ließ. Anfangs vermuteten die Ärzte eine Serie leichter Schlaganfälle als Ursache. Doch weder Umstellungen der Ernährung noch verstärktes Training oder Physiotherapie konnten das Fortschreiten aufhalten oder seine Kraft zurückbringen.

Der 72-jährige Gitarrist äußerte sich in einem persönlichen Statement mit bewegenden Worten. Es sei schwer zu wissen, was vor ihm liege, und es zerstöre ihn, nicht mehr Gitarre spielen zu können. Gleichzeitig zeigte er sich überwältigt von der Welle der Liebe und Unterstützung, die ihn von Familie, Freunden und Fans erreicht habe.

Manowar reagiert mit emotionalem Statement

Einen Tag nach der Bekanntgabe meldete sich auch Manowar über Social Media zu Wort. Die Band, die Friedman 1980 gemeinsam mit Bassist Joey DeMaio gegründet hatte, teilte am 10. Februar ein kurzes, aber eindringliches Statement: Man habe die schreckliche Nachricht über Ross’ ALS-Diagnose erhalten, sei zutiefst traurig und sende ihm und seiner Familie viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Diese Worte wiegen schwer, wenn man die komplizierte Geschichte zwischen Friedman und seiner ehemaligen Band kennt. DeMaio hatte Friedman 1988 nach der Fertigstellung von “Kings of Metal” aus der Band geworfen. Das Verhältnis blieb über Jahrzehnte angespannt. In einem Interview 2021 bedachte Friedman DeMaio noch mit deftigen Worten, entschuldigte sich aber kurz darauf öffentlich dafür. 2022 nannte er seinen Rauswurf den schlimmsten Fehler, der je gemacht wurde, und verglich ihn mit dem Abgang von Mick Taylor bei den Rolling Stones. Umso bemerkenswerter ist das versöhnliche Signal, das Manowars Statement in dieser Situation sendet.

Ein Pionier zweier Genres

Was Ross Friedman in seiner Karriere geleistet hat, lässt sich kaum überschätzen. Es gibt nur eine Handvoll Musiker, die sowohl im Punk als auch im Heavy Metal als echte Ikonen gelten. Friedman ist einer von ihnen.

Geboren am 3. Januar 1954 in der Bronx, gründete er 1973 gemeinsam mit Andy Shernoff und Scott Kempner die Proto-Punk-Band The Dictators in New York City. Ihr Debütalbum “Go Girl Crazy!” erschien 1975, ein volles Jahr vor dem Debüt der Ramones und zwei Jahre vor den ersten Platten von The Clash und den Sex Pistols. Die Dictators gehören damit zu den absoluten Wegbereitern des Punk Rock.

Nach dem vorübergehenden Ende der Dictators 1980 zog es Friedman zunächst nach Frankreich, wo er bei der Band Shakin’ Street einstieg. Während einer gemeinsamen Tour mit Black Sabbath, bei der Shakin’ Street als Vorgruppe auftrat, lernte er den damaligen Sabbath-Pyrotechniker Joey DeMaio kennen. Ronnie James Dio stellte die beiden einander vor. Noch im selben Jahr gründeten Friedman und DeMaio Manowar und prägten gemeinsam den Begriff “True Metal”.

In acht Jahren und sechs Studioalben formte Friedman den Sound, der Manowar zur Legende machte. Platten wie “Battle Hymns” (1982), “Into Glory Ride” (1983) und “Hail to England” (1984) gelten als Meilensteine des Power Metal. “Hail to England” wurde vom Rolling Stone in die Liste der 100 größten Metal-Alben aller Zeiten aufgenommen. Manowar hielten zeitweise sogar den Guinness-Weltrekord als lauteste Band der Welt.

Rastlos bis zuletzt

Nach seinem Abschied von Manowar blieb Friedman nicht stehen. Er kehrte zu den Dictators zurück, gründete Manitoba’s Wild Kingdom und spielte in zahlreichen weiteren Projekten: Shakin’ Street, The Spinatras, Brain Surgeons (mit dem ehemaligen Blue-Öyster-Cult-Schlagzeuger Albert Bouchard) und der Metal-Supergroup Death Dealer.

Ab 2006 formierte er seine eigene Ross The Boss Band, zunächst mit deutschen Musikern aus der Region Kaiserslautern, die ursprünglich als Manowar-Coverband Men of War bekannt waren. Das Debütalbum “New Metal Leader” stieg 2008 in die deutschen Albumcharts ein. Weitere Alben wie “Hailstorm” (2010) folgten, und 2017 wurde Friedman für seine Verdienste in der Metal Hall of Fame geehrt.

Noch bis in das Jahr 2025 hinein war Friedman unermüdlich auf Tour. Im Mai berichtete er begeistert von Auftritten beim Epic Fest im dänischen Roskilde, Konzerten in der Türkei und Australien. Die Dictators hatten 2024 ein neues, selbstbetiteltes Studioalbum veröffentlicht und waren weiterhin aktiv.

Solidarität aus der Metal-Welt

Seit der Bekanntgabe der Diagnose erreichen Friedman Nachrichten aus der gesamten Metal-Szene. Fans und Musikerkollegen gleichermaßen stellen sich hinter einen Künstler, dessen Riffs und Soli ganze Generationen geprägt haben. In den Kommentarspalten unter den Meldungen berichten Fans immer wieder, wie Friedmans Musik ihnen durch schwere Zeiten geholfen habe.

ALS ist nach heutigem Stand der Medizin nicht heilbar. Die Krankheit betrifft auch andere Musiker: Gitarrist Jason Becker, der 1989 kurz nach seinem Einstieg bei David Lee Roths Soloband diagnostiziert wurde, lebt seit über 35 Jahren mit der Erkrankung. Zac-Brown-Band-Bassist John Driskell Hopkins erhielt seine Diagnose 2022 und setzt sich seitdem aktiv für die ALS-Forschung ein.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Egal wie es weitergeht: Ross “The Boss” Friedmans Platz in der Musikgeschichte ist unantastbar. Als einer der wenigen Künstler, die gleich zwei Genres mitgeprägt haben, steht er in einer Liga, in der man sonst nur Namen wie Lemmy Kilmister findet. Seine Riffs auf “Battle Hymns” und “Hail to England” sind unsterblich. Und die Welle der Zuneigung, die ihn jetzt erreicht, zeigt, dass seine Musik weit mehr war als nur Unterhaltung.

Wir bei stagedive.net wünschen Ross “The Boss” Friedman und seiner Familie alle Kraft für den Kampf, der vor ihm liegt.

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