
Kontroverse
Sharon Osbourne will an Tommy Robinsons Anti-Migrations-Demo teilnehmen
Sharon Osbourne hat angekündigt, am 16. Mai an der von Tommy Robinson organisierten Demonstration „Unite the Kingdom” in London teilnehmen zu wollen. Die 73-jährige Witwe und ehemalige Managerin von Ozzy Osbourne kommentierte ein Promo-Video des rechtsextremen Aktivisten auf Instagram mit den Worten: „See you at the march.”
Robinson, mit bürgerlichem Namen Stephen Yaxley-Lennon, ruft in dem Video zu einem zweiten „Unite the Kingdom”-Marsch am Trafalgar Square auf. „We have had enough of migration, enough of mass immigration, we’ve had enough of oppression from a tyrannical government”, sagt er darin. Im September 2025 hatte Robinson am selben Ort die größte rechtsextreme Kundgebung in der britischen Geschichte organisiert. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl damals auf über 100.000. Es kam zu 24 Festnahmen und 37 verletzten Polizeibeamten. Elon Musk sprach per Videoschalte.
„War Pigs” als Fußnote
Die Reaktionen auf Osbournes Ankündigung sind scharf. In den sozialen Medien verweisen Fans auf ihren im Juli 2025 verstorbenen Ehemann. „Ozzy would never allow that if he was still alive”, schreibt ein Nutzer auf X. Ein anderer: „Waits until Ozzy passes then shows her true colours.” Der Vorwurf, der sich durch die Kommentare zieht: Sharon Osbourne hätte sich zu Lebzeiten des Black-Sabbath-Sängers nicht so offen positioniert.
Der Widerspruch hat musikalische Tiefe. Black Sabbath schrieben mit „War Pigs” einen der bekanntesten Anti-Kriegs-Songs der Rockgeschichte. Als Osbourne im April 2025 die irische Rap-Gruppe Kneecap wegen pro-palästinensischer Statements bei Coachella angriff und den Entzug ihrer US-Visa forderte, konterte Kneecap-Mitglied Mo Chara trocken: „She should listen to ‚War Pigs’ that was written by Black Sabbath.”
Osbournes politischer Kurs
Sharons Ankündigung kommt nicht aus dem Nichts. Sie unterstützte 2016 öffentlich den Brexit, lebte zu dem Zeitpunkt aber noch in den USA. Erst in den vergangenen Jahren kehrte sie nach Großbritannien zurück. Anfang 2026 erklärte sie bei den Grammy Awards, sie denke „ernsthaft” darüber nach, Bürgermeisterin von Birmingham zu werden – der Heimatstadt ihres verstorbenen Mannes. Zuvor hatte sie auf Instagram angekündigt, in Birmingham für den Stadtrat kandidieren zu wollen, nachdem bekannt wurde, dass Shahid Butt, der 1999 in Jemen wegen eines Terrordelikts verurteilt worden war, als unabhängiger Kandidat antrat.
Robinson und die Gegenreaktion
Tommy Robinson gründete 2009 die English Defence League und gilt als einer der prominentesten rechtsextremen Aktivisten Großbritanniens. Er war Mitglied der faschistischen British National Party und ist mehrfach vorbestraft.
Gegen Robinsons Bewegung formiert sich breiter Widerstand. Ende März 2026 organisierte die Together Alliance eine nationale Gegendemonstration in London. Die Veranstalter sprachen von rund 500.000 Teilnehmenden, die Polizeischätzung lag deutlich darunter. Unter den Unterstützern: Fontaines D.C., Billy Bragg, Jessie Ware und Paloma Faith. Auch Tim Booth von James positionierte sich, nachdem Robinson den Band-Song „Sit Down” ohne Erlaubnis bei seiner September-Kundgebung verwendet hatte. Booth nannte das „disgusting” und bezeichnete den Song als „the antithesis of this organisation”.
Die zweite „Unite the Kingdom”-Demo ist für den 16. Mai 2026 am Trafalgar Square geplant. Ob Osbourne tatsächlich erscheint, ist offen. Offiziell geäußert hat sich bislang weder sie noch ihr engeres Familienumfeld.
Update, 18. April 2026: Die britische Obdachlosenhilfe Centrepoint hat ihre Zusammenarbeit mit Sharon Osbourne beendet. Die Organisation, die sich auf die Unterstützung junger Menschen zwischen 16 und 25 Jahren spezialisiert hat, erklärte gegenüber dem Guardian: „This sort of event does not align with our values. Centrepoint has a proud history of supporting young people whatever their background, ethnicity or religion.” Man habe keine Pläne, künftig mit Osbourne zusammenzuarbeiten.
Osbourne hatte für eine Omaze-Spendenkampagne der Organisation als Botschafterin fungiert – Centrepoint stellte allerdings klar, dass sie keine offizielle, dauerhafte Botschafterin war. Eine Reaktion ihrerseits steht aus.




