
Beartooth: Labelwechsel zu Fearless Records und neue Single “Free”
Nach über einem Jahrzehnt bei Red Bull Records schlägt die Metalcore-Band aus Ohio ein komplett neues Kapitel auf. Mit der Single “Free” und einem frischen Plattenvertrag bei Fearless Records stellt Frontmann Caleb Shomo die Weichen für die Zukunft.
Beartooth gehören seit Jahren zu den konstantesten Größen im modernen Metalcore. Über 1,3 Milliarden Streams, eine Platin-Single, eine Gold-Single und ein Nummer-eins-Album in den Billboard Hard Rock Charts sprechen eine deutliche Sprache. Doch nach 13 Jahren bei Red Bull Records, wo die Band seit ihrer Gründungsphase unter Vertrag stand, ist jetzt Schluss. Caleb Shomo und seine Bandkollegen haben bei Fearless Records unterschrieben und direkt zum Einstand die neue Single “Free” nachgelegt.
Vom Keller in Ohio in die Arenen Nordamerikas
Die Geschichte von Beartooth ist eine, die in der Metalcore-Szene fast schon mythischen Status hat. 2012 begann Caleb Shomo, damals noch Mitglied der Electrocore-Band Attack Attack!, allein in seinem Keller in Columbus, Ohio, Songs aufzunehmen. Er spielte jedes Instrument selbst, schrieb, produzierte, mischte und masterte alles im Alleingang. Was als reines Ventil für persönliche Kämpfe mit Depressionen und Selbstzweifeln gedacht war, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der erfolgreichsten Projekte im modernen Rock.
Seit der Debüt-EP “Sick” (2013) hat die Band fünf Studioalben veröffentlicht: “Disgusting” (2014), “Aggressive” (2016), “Disease” (2018), “Below” (2021) und “The Surface” (2023). Letzteres markierte einen kommerziellen Höhepunkt, landete auf Platz eins der Billboard Hard Rock Albums und brachte gleich zwei aufeinanderfolgende Nummer-eins-Singles im Active Rock Radio hervor: “Might Love Myself” und “I Was Alive”. Im Juli 2025 folgte mit “I Was A… LIVE” ein Live-Album, das den ersten Headline-Arenaauftritt der Band in der ausverkauften Schottenstein Center in Columbus dokumentiert.
Red Bull Records: Ende einer Ära
Red Bull Records war über die gesamte bisherige Karriere von Beartooth die musikalische Heimat der Band. Das 2007 gegründete Label mit Sitz in Los Angeles, das unter anderem auch AWOLNATION beherbergt, begleitete Beartooth vom Underground-Act zum international erfolgreichen Rock-Act. Dass die Band dieses Kapitel nun abschließt, ist ein beachtlicher Schritt, denn die gesamte Diskografie von Beartooth erschien bisher ausschließlich über Red Bull Records.
Über die genauen Gründe für den Wechsel hält sich Shomo bedeckt, doch seine Worte über das neue Label lassen durchblicken, was er sich gewünscht hat: mehr kreative Unterstützung und Empowerment als Künstler. Fearless Records, 1994 gegründet und mittlerweile Teil der Concord Music Group, ist kein Unbekannter in der Szene. Auf dem Roster finden sich etablierte Namen wie Pierce The Veil, I Prevail, Ice Nine Kills, The Pretty Reckless, Wage War und August Burns Red. Beartooth reihen sich damit in ein Portfolio ein, das im modernen Rock und Metalcore zu den schlagkräftigsten der Branche zählt.
Fearless-Präsident Andy Serrao kommentierte die Verpflichtung damit, dass man die Entwicklung der Band schon seit Jahren als Fans verfolgt habe und nun stolz sei, den gemeinsamen Weg zu gehen.
“Free”: Jordan Fish am Regler
Die Single “Free”, die am 27. Februar 2026 erschien, ist nicht nur der Startschuss für die Zusammenarbeit mit Fearless Records, sondern auch die erste neue Musik der Band seit “The Surface” (2023), wenn man die Kollaboration mit Tom Morello außen vor lässt.
Besonders interessant: An der Produktion war Jordan Fish beteiligt. Der britische Keyboarder, Songwriter und Produzent war über elf Jahre lang festes Mitglied von Bring Me The Horizon und prägte deren Sound auf Alben wie “Sempiternal”, “That’s the Spirit” und “Amo” entscheidend mit. Seit seiner Trennung von BMTH Ende 2023 hat sich Fish als einer der gefragtesten Produzenten der Szene etabliert. Seine Arbeiten mit Architects (das Album “The Sky, The Earth & All Between”), Poppy, Machine Head und diversen weiteren Projekten haben seinen Ruf als eine Art Superproduzent des modernen Metal/Rock gefestigt.
Die Zusammenarbeit zwischen Shomo und Fish war bereits im November 2025 angedeutet worden, als Shomo ein Instagram-Story-Foto von Fish im Studio teilte und es mit “new Beartooth nutso” betitelte. Das Ergebnis lässt sich hören: “Free” verbindet Beartooths bewährte Mischung aus brachialem Metalcore und eingängigen Melodien mit atmosphärischen Elementen, die Fishs Handschrift tragen. Das begleitende Musikvideo wurde von Regisseurin Megan Gamez inszeniert.
Thematisch markiert der Song laut Shomo einen Wendepunkt. Während frühere Alben die Auseinandersetzung mit inneren Dämonen und das bloße Überleben dokumentierten, steht “Free” für einen Moment der Klarheit inmitten des Chaos. Der Frontmann beschreibt das kommende Album als die ehrlichste Darstellung seiner Seele, die er vermutlich jemals schaffen werde.
Tom Morello, Final Fantasy und der Weg hierhin
Bevor “Free” erschien, sorgte Beartooth bereits Ende 2025 für Aufsehen weit über die übliche Metalcore-Blase hinaus. Im Dezember veröffentlichten Caleb Shomo und Rage-Against-the-Machine-Gitarrist Tom Morello gemeinsam den Song “Everything Burns” für das Videospiel Final Fantasy XIV. Der Track, produziert von Tyler Smyth, entstand unter enormem Zeitdruck innerhalb von rund 36 Stunden und diente als Boss-Theme für einen der finalen Raids im Spiel. Gleichzeitig fungiert der Song als Single von Morellos kommendem Soloalbum.
Diese Kollaboration brachte Beartooth in Kontakt mit einem Publikum, das weit über die typische Rock- und Metal-Community hinausgeht. Millionen Final-Fantasy-Spieler weltweit wurden so auf Caleb Shomos Stimme und Songwriting aufmerksam, ein cleverer Zug in Sachen Reichweite.
Auf Tour mit Bad Omens
Passend zum Release von “Free” befinden sich Beartooth aktuell als direkter Support von Bad Omens auf einer Arena-Tour durch Nordamerika. Die Tournee startete am 22. Februar in Salt Lake City und führt bis Ende März durch Städte wie Detroit, Minneapolis, Philadelphia, Nashville, San Antonio, Los Angeles und Oakland. Beartooth spielten “Free” bereits beim Tourauftakt live, noch vor der offiziellen Veröffentlichung.
Die Tatsache, dass Beartooth inzwischen Arenen als Support füllen und laut Branchenbeobachtern selbst kurz davor stehen, als permanenter Arena-Headliner zu fungieren, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Von der Basement-Aufnahme zum Arena-Rock in gut einem Jahrzehnt, das schaffen nur wenige.
Ausblick: Neues Album in Sicht
Shomo hat klar kommuniziert, dass “Free” nur der Anfang ist. Ein neues Studioalbum, das sechste in der Diskografie, ist in Arbeit. Wie viel davon gemeinsam mit Jordan Fish entstanden ist und wann mit einem Release zu rechnen ist, bleibt vorerst offen. Sicher ist: Mit dem neuen Label im Rücken, einem der angesagtesten Produzenten der Szene am Mischpult und einer Live-Präsenz, die stetig wächst, sind die Vorzeichen für Beartooths nächstes Kapitel mehr als vielversprechend.
Ob der Wechsel von Red Bull Records zu Fearless tatsächlich den erhofften Schub bringt, wird sich zeigen. Die ersten Signale deuten darauf hin, dass Caleb Shomo genau weiß, was er will, und dass er bereit ist, seine Band in eine neue Dimension zu führen.




