Erster Zug gemacht

Blue Medusa: „Checkmate” – die Abrechnung, die sich nach Befreiung anfühlt

„Checkmate” ist draußen. Und wer nach „The Room Where She Died” noch Zweifel hatte, ob Blue Medusa das einlösen kann, was Alissa White-Gluz zwei Jahrzehnte lang versprochen hat – der kann jetzt aufatmen.

Der Song fängt sofort an: tiefer Growl, direkt am Anfang, keine Aufwärmphase. Was folgt, sind harte Gitarren, Riffs mit Gewicht, und eine Alissa, die klingt wie auf den Bühnen, die man kennt – roh, präzise, ohne Filter. Cleane Vocals ja, aber die Growls sind das Rückgrat. Das ist der Sound, auf den man als Arch-Enemy-Fan gehofft hat, als sie im November die Band verließ. Er ist da.

Das Video zeigt drei Frauen auf einem überdimensionierten Schachbrett. Concept, Regie und Produktion: White-Gluz selbst, gemeinsam mit Vicente Cordero. Hübsche Bilder – aber die Lyrics machen daraus etwas anderes. „Lost my voice building a throne.” „Heard echoes I didn’t own.” „Take the abuse and bleed clockwise.” Das Clockwise ist das Detail, das hängenbleibt: kein chaotisches Leiden, sondern systematisches, routiniertes Ausbluten im Takt. Wer das noch als generische Empowerment-Geste lesen will, muss die letzten Monate aktiv ignoriert haben.

Die Schachmetapher läuft parallel: Die Queen ist die mächtigste Figur auf dem Brett – aber sie steht trotzdem im Dienst der Partie, die andere entworfen haben. „You forgot the Queen holds the most power” ist der Moment, wo das kippt. Und dann: „I’m not your product, I’m not an object. / I won’t bleed to belong.” Das ist keine Hymne. Das ist eine Direktadressierung.

Den Schlusspunkt setzt ein einziges deutsches Wort mitten im englischen Text: Zwischenzug. Im Schach ein Zug, der die Situation verändert, bevor der Gegner reagieren kann. End game. They already know my name. Sie hatte ihren Zug gemacht, bevor irgendjemand das Brett neu aufgestellt hat.

Dass sie das Video selbst konzipiert und mitproduziert hat, ist kein Zufall und kein Ehrgeiz-Detail am Rande. Es ist Konsequenz. Wer „I own the board” singt, überlässt auch die Bilder dazu niemandem mehr.

White-Gluz selbst nennt „Checkmate” „wahrscheinlich das Leichteste von dem, was wir noch vorhaben.” Wenn das stimmt, wird der Rest des Jahres noch sehr interessant. Ich freue mich drauf.

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