25 Jahre Devil's Night

Zwölf wurden zwei: D12 feiern 25 Jahre Devil’s Night mit einem Comeback – und einem Gruß von Proof

Am 19. Juni 2001 stellte ein Label, das es offiziell kaum gab, seine erste Platte in die Regale und landete damit sofort auf Platz eins. Shady Records war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt und vor allem ein Versprechen: Eminem, der größte Rapper des Planeten, hatte seinen sechs Kumpels aus Detroit eine Bühne gebaut. Die Platte hieß Devil’s Night, die Gruppe hieß D12, und sie verkaufte in der ersten Woche rund 371.881 Exemplare.

Heute, auf den Tag genau 25 Jahre später, erscheint mit „D12 Forever (Vol. 1)” das erste Studioalbum der Gruppe seit 22 Jahren. Ein Datum, das zu sauber ist, um Zufall zu sein, auch wenn D12 das nirgends ausbuchstabieren.

Sechs Typen, ein Album, zwei Wochen auf der Eins

D12 stand für „The Dirty Dozen”, auch wenn am Mikrofon sechs Männer arbeiteten: Eminem, Proof, Bizarre, Mr. Porter, Kuniva und Swifty McVay. Devil’s Night war ihr Debüt und der allererste Langspieler auf Shady Records. Es debütierte an der Spitze der Billboard 200, fiel kurz ab und kehrte in der dritten Woche noch einmal auf Platz eins zurück – mit etwa 173.956 verkauften Einheiten, ganze 306 Stück vor Alicia Keys’ „Songs in A Minor”. In Großbritannien reichte es für Platz zwei.

MP Big 2

Getragen wurde das Ganze von Singles, die im Radio liefen und in den Clubs zündeten: „Shit on You”, das von Eminem produzierte „Purple Pills”, „Fight Music”, „Ain’t Nuttin’ but Music”. In den USA holte die Platte zweifach Platin, in Kanada dreifach. Die Kritiker waren gespalten, das Publikum nicht. Devil’s Night war der Sound einer Crew, die wusste, dass ihr gerade die Tür weit aufgestoßen wurde.

Was dazwischen lag

2004 folgte „D12 World”, das zweite Studioalbum. Dann brach der Boden weg. Am 11. April 2006 wurde Proof, der Mann, der die Gruppe zusammengehalten hatte, in Detroit erschossen. D12 war danach nicht mehr dieselbe Band. Zwei selbstveröffentlichte Mixtapes unter dem Titel „Return of the Dozen” (2008 und 2011) hielten den Namen am Leben, aber ein richtiges Album blieb aus. 22 Jahre lang.

Diese Lücke macht „D12 Forever (Vol. 1)” zu mehr als einer Fußnote. Es ist erst das dritte Studioalbum der Gruppe überhaupt. Getragen wird es von Kuniva und Swifty McVay, den beiden, die geblieben sind. „We’re stepping into a new chapter with D12 Forever”, sagte Kuniva dem Magazin V13. „There’s a lot of history behind this name, and a lot of growth that’s carried us to this moment.” Und mit einem Augenzwinkern: „It’s raw, it’s real, and yeah…some of it might surprise you.”

Eines sollte man vorab klarstellen, weil die Erwartung sonst in die falsche Richtung läuft: Eminem ist auf dem Album nicht zu hören. Kein Vers, kein Feature. Wer eine Shady-Reunion im alten Stil erwartet, sucht vergeblich.

Der Vers, der bleibt

Das Herz der Platte sitzt auf Position vier. „Proof & Eli” stellt einen bis dato unveröffentlichten Vers von Proof neben Eli Ble$$ed – Proofs Sohn. Zwanzig Jahre nach dem Tod des Gründers steht seine Stimme also wieder auf einem D12-Album, diesmal an der Seite des eigenen Kindes. Mehr Verbindung zwischen damals und heute geht nicht.

Drumherum hat die Gruppe eine Gästeliste versammelt, die quer durch die Bundesstaaten reicht. Die Vorab-Single „Tear It Down” erschien am 24. April und holte mit Xzibit und B-Real die Westküste ins Boot. Auf den restlichen 15 Tracks tauchen Method Man, Tech N9ne, George Clinton, Ice-T, King Iso, Sly Pyper und Melanie Rutherford auf. Das ist keine Notbesetzung, das ist ein Aufgebot.

Gefeiert wird auf der Insel

Den Soundtrack zum Jubiläum liefert eine kleine UK-Tour, die das Datum schon im Titel trägt. Am Releasetag spielen D12 in der Albert Hall in Manchester, am 20. Juni im O2 Forum Kentish Town in London, am 21. Juni in der O2 Academy in Bristol. Mit dabei: Onyx aus New York und Treach von Naughty by Nature. Deutsche oder kontinentaleuropäische Termine stehen bislang nicht im Kalender.

Bleibt der Blick zurück auf ein Album, das vor 25 Jahren bewies, dass eine Crew aus Detroit mehr sein konnte als das Vorprogramm ihres berühmtesten Mitglieds. Devil’s Night machte aus sechs Namen eine Marke. „D12 Forever” trägt diese Marke weiter, mit zwei verbliebenen Stimmen, einem Dutzend Gästen und einem Vers von Proof, der genau dorthin gehört. Aus zwölf wurden zwei. Geblieben ist trotzdem ein Album.

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