
Planungssicherheit für das Festival gegen rechts
Jamel rockt den Förster: Gebührenstreit vor Gericht beendet
Das Anti-Nazi-Festival “Jamel rockt den Förster” kann für 2026 und die Folgejahre planen: Ein Vergleich vor dem Verwaltungsgericht Schwerin hat den Streit um Nutzungsgebühren mit der Gemeinde Gägelow beigelegt. Wer beim Wochenende Anfang September dabei sein will, braucht diesmal vor allem Losglück: Die Tickets gehen nicht in den Vorverkauf, sondern werden verlost.
Die Gemeinde Gägelow hatte ab 2025 eine Gebühr für die Nutzung öffentlicher Flächen rund um das Festivalgelände verlangt – beschlossen in einer nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung am 28. Februar 2025. Der Nordkurier beziffert die Forderung auf 7.870 Euro, LTO auf knapp 8.000 Euro. Die Veranstalter zahlten 2025 nur unter Vorbehalt und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Ihr Argument: Die Gebühr verstoße gegen die in Artikel 8 Grundgesetz garantierte Versammlungsfreiheit. Geklagt hatten der Verein Gemeinsam für Frieden und Solidarität sowie Birgit und Horst Lohmeyer, vertreten durch den Berliner Anwalt Johannes Eisenberg. Nach mehrstündiger mündlicher Verhandlung Mitte Juli einigten sich beide Seiten (Aktenzeichen 3 A 1316/25 SN): Das Festival zahlt künftig 5.000 Euro – und zwar für dieses und die folgenden Jahre. Möglich wurde die Einigung, weil sich beide Seiten auf eine kleinere genutzte Fläche verständigten.
Für zusätzliche Brisanz sorgt die Zusammensetzung des Gremiums, das die Gebühr beschloss: Im Gägelower Gemeinderat sitzt der mehrfach vorbestrafte Neonazi Sven Krüger, der laut LTO zu den Gegnern des Festivals gehörte.
Die Lohmeyers veranstalten “Jamel rockt den Förster” seit 2007 auf ihrem Privatgrundstück in dem kleinen Dorf bei Wismar, das Teile der rechtsextremen Szene seit Jahren für sich beanspruchen. 2015 brannte wenige Tage vor dem Festival ihre Scheune nieder – Die Toten Hosen spielten damals spontan. Die Schirmherrschaft trägt Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. 2026 findet das Festival erstmals im September statt, am 4. und 5., verschoben mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen. Sachsen-Anhalt wählt schon am 6. September, dem Sonntag direkt nach den beiden Festivaltagen, Mecklenburg-Vorpommern folgt am 20. September. Die Veranstalter kündigen deshalb mehr Workshops und Infostände als sonst an, um “gemeinsam Haltung zu zeigen”.
Auch der Weg zum Ticket führt wie schon 2025 über eine Verlosung statt über den klassischen Vorverkauf – “gleiche Chance für alle”, wie die Veranstalter schreiben. Wer teilnehmen will, legt auf tickets.forstrock.de ein neues Konto an; alte Daten werden aus Datenschutzgründen nicht übernommen. Dann stellt man seinen Wunsch-Warenkorb zusammen und trägt sich in die Warteliste ein. Die Verlosung läuft seit dem 19. Juli; in einem 72-Stunden-Zyklus werden Plätze per Zufall gezogen. Bei einem gezogenen Los bleiben 72 Stunden Zeit, die Bestellung zu bestätigen und zu bezahlen, sonst verfällt der Anspruch. Die Tickets sind personalisiert, ein Name pro Ticket. Das Wochenendticket kostet 70 Euro, rund 3.000 Plätze stehen zur Verfügung.
Ein ausführliches Porträt des Festivals folgt in unserer Festivalvorschau für den September.




