Highfield-Abschied, runde Jubiläen, Judas Priest in Sulingen

Festivals im August 2026: 13 Ziele quer durch alle Genres

Die Nachricht kam einen Tag, bevor diese Vorschau in den Rechner ging: Das Highfield Festival hört auf. Nach fast 30 Jahren ist die Ausgabe vom 13. bis 16. August am Störmthaler See vorerst die letzte – und damit bekommt der Festivalmonat August eine Schlagzeile, die niemand bestellt hat. Drumherum passiert trotzdem eine Menge – zwei runde Geburtstage, der schnellste Ausverkauf in der Geschichte des Summer Breeze, Judas Priest zum ersten Mal in Sulingen und gleich zwei Festivals, die keinen Eintritt kosten. Dreizehn Ziele haben wir herausgegriffen, quer durch Metal, Rock, Punk, Gothic und Hip-Hop.

Der Wacken-Samstag am 1. August gehört streng genommen ebenfalls hierher – alles Wichtige dazu, von der Running-Wild-Abschiedsshow bis zum letzten Festivalauftritt von Sepultura in Deutschland, steht in unserer Juli-Vorschau.

Der letzte Tanz am See

Highfield also. “One Last Dance” nennen die Veranstalter FKP Scorpio und Semmel Concerts die Ausgabe vom 13. bis 16. August in Großpösna bei Leipzig, und die Begründung liest sich wie ein Zustandsbericht der ganzen Branche: Um ein Festival in gewohnter Qualität und Größe zu realisieren, brauche es heute deutlich mehr als Leidenschaft allein. Für 2027 ist eine “kreative Pause” angekündigt, eine Rückkehr in neuer Form bleibt offen – versprochen ist sie nicht. Zum Abschied stehen Kraftklub, SDP, die Beatsteaks, Marteria, 01099, die Dropkick Murphys und Feine Sahne Fischfilet auf dem Zettel, insgesamt über 50 Acts, dazu erstmals der Elektronik-Bereich “Electric Beach”. Wer dieses Festival je geliebt hat, hat jetzt einen Termin.

MP Big 2

Damit ist das Highfield nach dem Rocco del Schlacko, das sich schon 2025 verabschiedet hat, der zweite große Name, der binnen eines Jahres von der Landkarte verschwindet. Die Vorschau im Juli erzählte dieselbe Geschichte mit dem Langeln Open Air und den großen MPS-Bühnen. Es ist gerade viel Abschied im Kalender.

Zwei Dreißigste

Gefeiert wird trotzdem, und zwar rund. Das Party.San Metal Open Air begeht vom 6. bis 8. August auf dem Flugplatz Obermehler bei Schlotheim seine 30. Ausgabe – drei Jahrzehnte Death, Black und Thrash ohne Weichspüler. Testament, Marduk, Amorphis, Hypocrisy, Dark Funeral und Moonspell führen ein Billing mit über 60 Bands an. Das Drei-Tage-Ticket kostet 176,49 Euro, Tagestickets gibt es für 89,99 Euro, die Wohnmobil-Kontingente sind bereits weg.

Zur selben Zeit wird das Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber 30 Jahre alt (6. bis 9. August) und feiert “mit Freunden”: Papa Roach, I Prevail, Enter Shikari, Kontra K, 01099, Madsen und Yungblud sind dabei, dazu Sido, die Dropkick Murphys, Biffy Clyro und – Herz, was willst du mehr – H-Blockx zum Auftakt am Donnerstag. Festivaltickets starten in der ersten Stufe bei 149 Euro, das grüne Camping im Tal ist schon ausverkauft.

Dinkelsbühl, Sulingen und ein Wald in der Oberpfalz

Rekord in Dinkelsbühl – das Summer Breeze (12. bis 15. August) ist seit dem 1. Dezember komplett ausverkauft, so früh wie noch nie in seiner Geschichte. Wer die über 150 Bands um Helloween, In Flames, Arch Enemy, Saxon und Lamb of God trotzdem sehen will, muss auf die limitierten Tagestickets hoffen, die es noch gibt.

In Sulingen meldet das Reload Festival (13. bis 15. August) ebenfalls Rekordkurs im Vorverkauf – aus gutem Grund: Judas Priest geben ihr Debüt in der niedersächsischen Kleinstadt, flankiert von In Flames, Arch Enemy, Lamb of God, Godsmack und insgesamt 49 Acts. Das Festivalticket kostet in der letzten Stufe 219 Euro, Tagestickets liegen bei 99 bis 109 Euro.

Kleiner und eigensinniger geht es beim Void Fest im oberpfälzischen Sinzendorf zu (7. und 8. August) – Wolves in the Throne Room, This Will Destroy You, Girlschool und Ragana spielen im Wald an der tschechischen Grenze, 24 Acts insgesamt, Camping und Parken im Ticket enthalten, regionale vegane Küche und ein CO₂-Beitrag, der gleich im Ticketpreis steckt.

Ganz im Norden rockt das Baltic Open Air in Schleswig (20. bis 22. August, Anreise ab Mittwoch) “wie die Wikinger”, mit echtem Wikingerdorf samt Schaukämpfen neben der Bühne. Saltatio Mortis, Eisbrecher, Wind Rose, Rose Tattoo, Floor Jansen und Axel Rudi Pell spielen; das Festivalticket kostet 169,90 Euro, der Tag 86,90 Euro.

Schwarze Fahnen über Hildesheim

Für die dunkle Fraktion ist der August ein Ein-Wort-Monat: M’era Luna. Am 8. und 9. August verwandelt sich der Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt wieder in die wichtigste Szene-Zusammenkunft neben dem WGT, dieses Jahr unter dem Motto “Die Mondgeborene Stadt”. Within Temptation, In Extremo, Front Line Assembly und Combichrist bespielen den Samstag, Saltatio Mortis, OMD, Lacrimosa und Floor Jansen mit Solo-Programm den Sonntag; White Lies geben ihr M’era-Luna-Debüt. Rund 80 Prozent der Tickets für die erwarteten 25.000 Gäste sind laut Veranstalter vergriffen, limitierte Tagestickets wurden freigegeben.

Volksfest mit Verstärker

Seit 1985 beweist das Open Flair in Eschwege (5. bis 9. August), dass ein Festival mit 20.000 Gästen komplett ehrenamtlich funktionieren kann – inklusive Kleinkunstzelt, Kinderprogramm und nordhessischem Volksfest-Gefühl. Feine Sahne Fischfilet, Frank Turner, Biffy Clyro, die Dropkick Murphys, Babyshambles und die Donots kommen 2026. 95 Prozent der Tickets sind bereits weg; Mehrtagespässe kosten je nach Variante 189 bis 219 Euro, Tagestickets 99 Euro, der Freitag ist ausverkauft.

Seen, Wiesen, Selbstverwaltung

Der Underground badet im August. Wörtlich beim Afdreiht un Buten am Hartensbergsee in Goldenstedt (31. Juli und 1. August) – zwei Tage Punk, Hardcore und Ska mit Stick To Your Guns, Less Than Jake, H2O und Good Riddance, zwischen den Moshpits geht es in den Badesee. Das Kombiticket kostet 80 Euro, die Hardtickets sind ausverkauft, online gibt es noch welche.

Wutzrock am Hamburger Eichbaumsee (7. bis 9. August) macht seit 1979 vor, wie “umsonst & draußen” geht: kein Eintritt, kostenloser Zeltplatz, komplett ehrenamtlich, finanziert über Getränkeverkauf und Spenden. 20 Acts von I-FIRE über 24/7 Diva Heaven bis zum Knarf Rellöm Arkestra stehen auf zwei Bühnen, dazu Kinderfest, Poetry Slam und eine Schlafsack-Wetthüpf-Weltmeisterschaft. Neu in diesem Jahr: ein FLINTA*-Zelt als Rückzugsort – Awareness gehört hier zum Kern des Festivals, nicht zur Deko.

Dass es das Umsonst & Draussen Porta auf den Weserwiesen zwischen Porta Westfalica und Vlotho (21. bis 23. August) überhaupt noch gibt, liegt an fast 1.000 Menschen, die gespendet haben: Das Regen-Desaster 2025 riss ein tiefes Loch in die Kasse des Traditionsfestivals, das seit 1975 keinen Eintritt nimmt. Die Ausgabe 2026 ist gesichert, das Programm stand bei Redaktionsschluss noch aus. Hingehen ist hier keine Konsumentscheidung, sondern Bestandspflege.

Schulhof-Nostalgie in Berlin

Zum Abschluss des Monats lädt das Klassentreffen Festival am 29. und 30. August auf den Zentralen Festplatz Berlin – und der Name ist Programm: die goldene Ära des Deutschrap, versammelt an einem Wochenende. Sido, Kool Savas, Max Herre & Joy Denalane, Afrob & Ferris MC, Curse, Torch mit Toni-L, die Stieber Twins mit Cora E und Fünf Sterne Deluxe stehen auf dem Billing, Denyo führt als Host durchs Programm. Tickets gibt es ab 196,95 Euro, die VIP-Variante kostet 325,95 Euro. Wer je eine Kassette mit “Splash!”-Mitschnitten besessen hat, weiß, ob dieses Wochenende gemeint ist.

Eine Randnotiz mit Ansage

Streng genommen gehört es in den September, aber es gehört vor allem erwähnt: Jamel rockt den Förster, das Anti-Nazi-Festival auf dem Forsthof der Lohmeyers, findet dieses Jahr am 4. und 5. September statt – erstmals im September, verschoben wegen der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Die rund 3.000 Tickets werden verlost, das Lineup bleibt wie immer bis zuletzt geheim. Und es gibt Neuigkeiten vom Verwaltungsgericht Schwerin: Der Gebührenstreit mit der Gemeinde ist per Vergleich beigelegt, das Festival hat Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Die ganze Geschichte dazu erzählen wir in der September-Vorschau ausführlich.

Dreizehn Festivals, ein Abschied, zwei Jubiläen, zweimal freier Eintritt. Diese Festivallandschaft hat gerade zwei Geschwindigkeiten – die einen müssen aufgeben, die anderen lassen sich von nichts aufhalten. Geht zu beiden, solange es beide noch gibt.

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